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Mythos Abkühlung: Warum eiskalte Getränke im Sommer ein Trugschluss sind

  • Autorenbild: Natalie Wiedenmann
    Natalie Wiedenmann
  • 8. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Endlich ist er da, der Sommer! Wenn die Temperaturen draußen die 30-Grad-Marke knacken, sehnen wir uns alle nach einer schnellen Abkühlung. Der erste Griff geht dann ganz automatisch zum Kühlschrank: Wasser mit einer extra Ladung Eiswürfel, eine eiskalte Limonade oder der erfrischende Eiskaffee am Nachmittag. Es fühlt sich im ersten Moment herrlich erfrischend an – doch aus ernährungswissenschaftlicher und biologischer Sicht tun wir unserem Körper damit absolut keinen Gefallen.


Im Gegenteil: Wer im Sommer zu kalt trinkt, bringt seinen inneren Thermostaten erst recht zum Glühen. Warum das so ist und wie du deinen Körper bei Hitze wirklich effektiv kühlst, schauen wir uns heute einmal genauer an.

Kalte Getränke sind oft genau das Falsche im Sommer, um dich abzukühlen. Infused Water, also Wasser mit Geschmack in Raumtemperatur hat den besseren Effekt

Das biologische Missverständnis: Wie unser innerer Thermostat reagiert

Unser Körper ist ein Meister der Regulation. Seine oberste Priorität ist es, die Temperatur im Körperkern konstant bei rund 37°C zu halten. Wenn es draußen heiß ist, läuft unsere körpereigene Klimaanlage bereits auf Hochtouren: Die Blutgefäße erweitern sich, und wir beginnen zu schwitzen, um über die Haut Wärme abzugeben.


Was passiert nun, wenn wir ein eiskaltes Getränk herunterschlucken? Sobald die eisige Flüssigkeit in unserem Magen ankommt, schlägt das System Alarm. Die Thermorezeptoren im Inneren melden dem Gehirn einen extremen Temperatursturz im Kern. Das Signal lautet: „Achtung, extreme Kälte! Wir müssen gegensteuern!“

Um den Mageninhalt blitzschnell wieder auf die benötigten 37°C aufzuheizen, wirft der Körper die Heizung an. Er drosselt die Durchblutung der Haut, verengt die Gefäße und investiert massiv Energie in die Wärmeproduktion. Das Paradoxon: Kurz nach dem eiskalten Drink schwitzen wir oft mehr als vorher und uns wird noch heißer.


Die Zusatzbelastung für Magen und Kreislauf

Neben dem „Heiz-Effekt“ bringt eiskaltes Trinken im Sommer noch zwei weitere Nachteile mit sich:

  1. Verdauungsbeschwerden: Durch den plötzlichen Kälteschock im Magen ziehen sich die dortigen Blutgefäße zusammen. Die Verdauung wird schlagartig verlangsamt. Das kann bei sensiblen Menschen zu Magenschmerzen, Krämpfen oder sogar Übelkeit führen.

  2. Kreislaufstress: Der abrupte Temperaturwechsel ist für das Herz-Kreislauf-System eine echte Belastungsprobe. Statt Energie für den Tag zu haben, fühlen wir uns nach dem vermeintlichen Frischekick oft schlapp und träge.


Was Wüstenvölker uns voraus haben: Die thermische Wirkung von Lebensmitteln

Schaut man in Länder, in denen extreme Hitze zum Alltag gehört – wie etwa in Nordafrika oder im Nahen Osten –, stellt man fest: Dort trinkt kaum jemand Eiswasser. Stattdessen wird traditionell lauwarmer Pfefferminztee serviert. Und das hat einen klugen biologischen Grund.

Lauwarme oder zimmertemperierte Getränke belasten den Körper nicht. Er muss keine Energie aufwenden, um sie aufzuheizen oder abzukühlen. Sie werden vom Magen sofort aufgenommen und hydrieren uns wesentlich schneller. Die Minze sorgt zudem durch das enthaltene Menthol für einen sanften, rein sensorischen Kühleffekt auf den Schleimhäuten, ohne den Kreislauf zu stressen.


Meine Tipps: So hydrierst du dich im Sommer richtig

  • Zimmertemperatur ist Trumpf: Gewöhne dir an, Wasser und Tees ungekühlt zu trinken. Optimal ist es, wenn das Getränk etwa der eigenen Hauttemperatur entspricht oder minimal darunter liegt.

  • Nutze die Thermik der Natur: In der Ernährungslehre unterscheidet man Lebensmittel nach ihrer thermischen Wirkung. Nutze im Sommer gezielt Lebensmittel, die von Natur aus kühlend wirken. Dazu gehören Gurken, Tomaten, Wassermelonen, Zitrusfrüchte und frische Kräuter wie Minze oder Salbei.

  • Das perfekte Sommer-Wasser: Bereite dir morgens eine Karaffe mit Leitungswasser auf Zimmertemperatur vor. Gib ein paar Scheiben frische Gurke, ein paar Blätter Minze und einen Spritzer Zitronensaft hinein („Infused Water“). Das schmeckt herrlich frisch, kühlt den Körper von innen heraus sanft ab – ganz ohne Eisschock.


Fazit: Wenn du das nächste Mal ins Schwitzen gerätst, lass die Eiswürfel im Gefrierfach. Dein Körper wird es dir mit mehr Energie, einem stabileren Kreislauf und weniger Hitze-Stress danken!

 
 
 

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